LONG COUNT / CHOLTÚN - ca. 5125 Jahre

 

Die „Lange Zählung“ (Maya: Choltún, engl.: Long Count, span.: Cuenta Larga) war ein höchst akkurater Zeitzähler, mit dem eine Datumsangabe innerhalb eines Zeitraums von ca. 5125 Jahren (= 5200 Tun-Jahre) auf den Tag genau festgelegt werden konnte. Dieser Long Count entstand durch die Verknüpfung von mehreren Kalendern und hat ein Null-Datum, das auf den 11. August 3114 v. Chr.* fiel. Vor diesem Null-Datum gab es aber schon frühere Long Counts und damit „Welten“ oder „Sonnen“, und der berühmte 21. Dez. 2012 wird der Übergang in eine neue „Sonne“ oder Welt sein.

Die Erfindung des Long Counts scheint auf das Volk der Epi-Olmeca in Mexico zurückzugehen. Die früheste bis heute bekannte Long Count-Inschrift findet sich auf der Stele 2 in Chiapa de Corzo (Chiapas, México) und trägt das Datum 7.16.3.2.13 = 6. Dezember 36 v.Chr. Auch die zweitfrüheste Long Count-Inschrift entstammt dieser Kultur: sie befindet sich in Tres Zapotes (México) und trägt das Datum 7.16.6.16.18 = 1. September 32 v. Chr. Es gibt noch weitere Long Count-Inschriften, die auf eine Epi-Olmeca-Herkunft sowie auch auf die Itzapa-Kultur in Guatemala hindeuten. Das erste gesicherte Vorkommen in der Maya-Kultur liefert die Stele 29 von Tikal mit dem Datum 8.12.14.8.15 = 292 n. Chr. (also mehr als 300 Jahre nach Chiapa de Corzo).

 

Long Count 1   Long Count 2
Stele 2 in Chiapa de Corzo   Tres Zapotes

 

Trotz der ungesicherten Herkunft dieses genialen Kalenders erlebte der Long Count seine grosse Blüte im Maya-Reich. Er basiert auf dem heiligen Tun-Kalender mit seinen 360-tägigen Tun-Jahren und dem mathematischen Vigesimal-System (s. Mathematik). Dabei gibt es die Ausnahme, dass ein Tun-Jahr nicht 20, sondern nur 18 Uinales (20-Tages-Zyklen) umfasst. Ferner wird bei den höheren Zykleneinheiten, ab Piktun, aber ev. sogar auch schon beim den Baktun, manchmal mit 20, manchmal mit 13 gerechnet. Wieso, ist noch unklar (siehe auch letzten Abschnitt).

 

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links: Stele C in Quiriguá mit dem Null-Datum 13.0.0.0.0 4 Ahau 8 Cumku (oder: 0.0.0.0.0 4 Ahau 8 Cumku, 11. August 3114 v.Chr.) (Zeichnung: Linda Schele) - rechts: Stele A in Quiriguá mit dem Datum 9.17.5.0.0 6 Ahau 13 Kayab (27. Dezember 775 n.Chr.) (Foto: Susi Lötscher)

 

Eine Long Count-Inschrift wird in der heutigen Maya-Forschung in eine Initial Serie und eine Supplementary Serie unterteilt. Die Initial Serie beginnt mit einer Einführungsglyphe, die den Monat im Ab’- / Haab-Kalender beinhaltet. Dann folgen die Zyklen Baktun (oder höher) bis K’in (einzelner Tag), das entsprechende Datum im Cholq’ij- / Tzolk’in-Kalender, das entsprechende Datum im Ab’- / Haab-Kalender und der jeweilige Herr der Nacht (Señor de la Noche). Die Supplementary Serie beinhaltet unter anderem Angaben zum Mond.

Der Name Baktun stammt von modernen Mayaforschern.

Long Count Tabelle 1

Vier weitere grössere Zyklen kamen in Long Count-Inschriften gelegentlich vor. Die Namen dieser Perioden sind uns nicht überliefert – die moderne Mayaforschung hat ihnen die Namen Piktun, Kalabtun, K’inchiltun und Alautun gegeben.

Long Count Tabelle 2

Long Count-Inschriften geben oft eine Zeit-Distanz von einem Datum in der fernsten Vergangenheit zu einem Datum in der Maya-Zeit an – oder: von einem Datum in der Maya-Zeit zu einem Datum in fernster Zukunft. Sie dienten zum Beispiel dazu, die Legitimation eines Herrschers mittels einer bestimmten Zeitspanne zu einem astronomischen Ereignis darzustellen. Bei diesen distant numbers treten unglaublich lange Zeiträume auf.

Hierzu zwei Beispiele:

Auf der Stele F (oder Stele 6) in Quirigua findet man das Long Count-Datum 9.16.10.0.0 1 Ahau 3 Zip (15. März 761). Davon wurde um eine Zeitspanne von 1.8.13.0.9.16.10.0.0 zurückgerechnet, und die Maya erhielten dann das Datum (18.)13.0.0.0.0.0.0.0 1 Ahau 13 Yaxkin, das einem Tag entspricht, der über 90 Millionen Jahre in der Vergangenheit liegt.

Auf der Stele D (oder Stele 4) in Quirigua wird das Datum 9.16.15.0.0 7 Ahau 18 Pop (17. Februar 766) genannt und zu diesem die Zeitspanne von 6.8.13.0.9.16.15.0.0 dazugerechnet, was zum Datum (13.)13.0.0.0.0.0.0.0 führt. Dieses letztere liegt um über 400 Millionen Jahre nach Aufstellung der Stele in der Zukunft.

Es gibt ferner die long-reckoning-Zeitspannen, die den distant numbers gleichgesetzt werden können, die aber ein Datum aus einer früheren Schöpfung mit einem Datum in unserer Schöpfung verknüpfen. Diese Zeitangaben sind mit einer roten Schlinge gekennzeichnet.

Im Codex Dresden sind long-reckoning-Daten aufgeführt, die mit einem Datum verbunden sind, das 34,000 Jahre vor der klassischen Maya-Zeit liegt.

Vier noch höhere Zyklen finden sich an einer Pyramidentreppe in Yaxchilan. Dort heisst ein Datum: 13.13.13.13.13.13.13.13.9.15.13.6.9  3 Muluc 17 Mac. Dieses Datum, das als normaler Long Count 9.15.13.6.9  3 Muluc 17 Mac heissen würde und dem 19. Oktober 744 n. Chr. entspricht, wird hier mit der long-reckoning-Zeitdifferenz verknüpft, die zu einem Datum führt, das in ur-ferner Vergangenheit liegt.

Die grösste Zeitangabe in einer Long Count-Inschrift befindet sich auf der Stele 1 in Cobá (Yucatán) und heisst: 

13. 13. 13 .13. 13. 13. 13. 13 .13. 13. 13. 13. 13. 13. 13. 13. 13. 13. 13. 13. 0. 0. 0. 0  4 Ahau  8 Cumku

(Auf dieser Zyklen-Aufstellung in Coba beruht die Theorie von Dr. Carl Johann Calleman, der diesen Zyklen Evolutionsstufen zugrunde gelegt, die darauf hinauslaufen sollen, dass am 28. Oktober 2011 ein absoluter Höhepunkt der Evolution des Bewusstseins in Form eines Erlangens eines aktiv herbeigeführten Einheitsbewusstseins erreicht werden konnte – www.calleman.com)

Die Maya errechneten aber auch Daten, die weit in der Zukunft liegen! Als Beispiel sei eine Inschrift im „Tempel der Inschriften“ in Palenque genannt. Darin geht es um das Jubiläumsdatum der Thronbesteigung des grossen Königs Pakal. Die Thronbesteigung war am 27. Juli 615 n. Chr.: 9.9.2.4.8 5 Lamat 1 Mol, das Jubiläum, das 80 Kalenderrunden später liegt, wird auch an einem Tag 5 Lamat 1 Mol sein, und zwar am 21. Oktober 4772. Die Inschrift besagt weiter, dass dieser Tag 8 Tage nach der Vollendung des 1. Piktun, vom Nulldatum des Long Count aus gerechnet, sein wird: der 1.0.0.0.0.0 oder 13. Oktober 4772. Und 8 Tage später, an diesem besagten 80. Jubiläum oder 21. Oktober 4772, ist dann der 1.0.0.0.0.8 5 Lamat 1 Mol.

Interessant ist hier noch eine andere Übereinstimmung. Wenn wir vom Long Count-Nulldatum am 11. August 3114 v. Chr. 13 Baktun vorwärts rechnen, kommen wir zum berühmten 21. Dezember 2012. Wenn wir hingegen vom 11. August 3114 v. Chr. 1 Piktun (= 20 Baktun) dazuzählen, kommen wir in das Jahr 4772 n. Chr., mit dem sich König Pakal in Beziehung setzte. Aber – wie oben schon erwähnt – ist es bis heute nicht klar, in wie weit und in welchen Zusammenhängen Zyklen von 13 Baktun und solche von 20 Baktun von Bedeutung waren. (Zum Thema 13 oder 20 Baktun empfehle ich Ihnen: A Discussion of the 13-Baktun Era versus the 20-Baktun Era von Geoff Stray: www.diagnosis2012.co.uk/13baktunversus20.pdf).

 

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* Die Umrechnungen von Maya-Daten in unsere gregorianischen Daten habe ich hier nach der GMT-Methode berechnet. Es gibt viele Umrechnungs-Faktoren oder -Korrelationen, und die Mayanisten sind sich noch nicht einig, welche davon die richtige sei, aber diese Korrelation nach Goodman-Martinez-Thompson ergibt Daten, die mit den Cholq'ij- oder Tzolk'in-Tagen der heutigen Tagehüter in Guatemala übereinstimmen. - Beim Null-Datum 11. August 3114 heisst es manchmal auch 3113, das kommt daher, dass man auf 3113 kommt, wenn man mit einem Jahr 0 zwischen 1 v. Chr. und 1 n. Chr. rechnet.

 

Die Maya-Kalender

Cholq'ij / Tzolk'in

Ab' / Haab

Kalenderrunde und Jahresträger

Katun-Rad / Short Count

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