Sensationeller Fund in Xultun,

Guatemala

 


 

Hamburger Abendblatt, 11.05.2012, Marc Hasse

Versunkener Komplex von Xultun in Guatemala

 

Erkenntnis: Maya-Kalender

reicht bis ins 8. Jahrtausend

 

Archäologen entdeckten die ältesten astronomischen Berechnungen der Hochkultur. Versunkenes Haus mit Wandbildern dekoriert.

 

Xultun-1

Die Konservatorin Angelyn Bass säubert eine Wand in dem wiederentdeckten Haus. Das Bildnis neben ihr zeigt womöglich den Dokumentar der Maya-Gemeinschaft
Foto: Tyrone Turner © 2012 National Geographic

 

Boston/Hamburg. Die Natur hat sich längst zurückerobert, was ihr der Mensch einst nahm. Regenwald wuchert über den Hügel, eine meterdicke Schicht aus Erde, Blättern und Ästen bedeckt das, was einmal ein Haus war. So fand der Archäologiestudent Max Chamberlain das Gebäue 2010 vor. Auf den Spuren von Plünderern hatte er den versunkenen Komplex von Xultun in Guatemala durchstreift, einst eine Stätte der Maya-Hochkultur. Das 32 Quadratkilometer große Areal war zwar bereits vor etwa 100 Jahren von Arbeitern entdeckt und in den 1920er- und 1970er-Jahren grob kartiert worden, doch bis zuletzt wenig erforscht.

Chamberlain rief seinen Professor an, den Archäologen William Saturno von der Boston University (US-Staat Massachusetts). Unterstützt von der National Geographic Society und weiteren Forschern legten sie den Eingang zu dem Haus vollständig frei und studierten staunend, was sich vor ihnen auftat. Nun berichtet das Team in den Magazinen "Science" und "National Geographic" über die Ergebnisse. Auf zwei Wänden des Gebäudes sind Hunderte von Zahlen und Symbolen eingeritzt. Dabei handelt es sich den Forscher zufolge um die ältesten bisher bekannten astronomischen Berechnungen der Maya. Überraschend sind auch Malereien an zwei weiteren Wänden des Raumes - bisher waren keine Wandbilder in Häusern der Maya gefunden worden.

"Wir sehen zum ersten Mal etwas, das die Aufzeichnungen eines Gelehrten sein könnten, der womöglich der offizielle Dokumentar einer Maya-Gemeinschaft war", sagt William Saturno. "Es sieht so aus, als seien die Wände wie Schultafeln benutzt worden."

Die Hochkultur der Maya beherrschte in ihrer Blütezeit von 250 bis 900 nach Christus den Süden und Osten des heutigen Mexikos und weite Teile von Belize, Guatemala und Honduras. Ab 600 bauten die Maya auf der Halbinsel Yucatán große Städte. Dort lebten jeweils mehr als 10 000 Menschen - so wohl auch in Xultun. Einige dieser Städte waren größer als jede Stadt Mitteleuropas zu der Zeit.

Von einer Hochkultur sprechen Forscher angesichts der Errungenschaften dieser Stadtstaaten, etwa ihrer Landwirtschaft: Für den Anbau von Mais speicherten die Maya Regenwasser in eigens angelegten Zisternen, oder sie schöpften Grundwasser aus eingestürzten Karsthöhlen und leiteten es über ein aufwendiges Bewässerungssystem auf ihre Felder. Zudem waren sie Meister der Mathematik. Und sie beobachteten die Sterne. Ihre Berechnungen dienten ihnen als Grundlage für verschiedene Kalender. Der bekannteste ist der Haab, mit dem die Maya wohl die besten Zeiten für Saat und Ernte ermittelten. Ein Sonnenjahr umfasste in dem Kalender 365 Tage wie bei uns, allerdings unterteilt in 18 Monate mit je 20 Tagen und fünf zusätzlichen Tagen. Es sind nur vier Handschriften erhalten, in denen die Maya Informationen über ihr Leben, über Mathematik und Astronomie festhielten, illustriert mit Zeichnungen. Forscher haben diese Quellen auf die Zeit zwischen 1200 und 1500 nach Christus datiert. Die Zeichen, die William Saturno und sein Team in dem versunkenen Haus von Xultun vorfanden, stammen hingegen aus dem frühen neunten Jahrhundert.

Boston/Hamburg. Die Natur hat sich längst zurückerobert, was ihr der Mensch einst nahm. Regenwald wuchert über den Hügel, eine meterdicke Schicht aus Erde, Blättern und Ästen bedeckt das, was einmal ein Haus war. So fand der Archäologiestudent Max Chamberlain das Gebäue 2010 vor. Auf den Spuren von Plünderern hatte er den versunkenen Komplex von Xultun in Guatemala durchstreift, einst eine Stätte der Maya-Hochkultur. Das 32 Quadratkilometer große Areal war zwar bereits vor etwa 100 Jahren von Arbeitern entdeckt und in den 1920er- und 1970er-Jahren grob kartiert worden, doch bis zuletzt wenig erforscht.

Chamberlain rief seinen Professor an, den Archäologen William Saturno von der Boston University (US-Staat Massachusetts). Unterstützt von der National Geographic Society und weiteren Forschern legten sie den Eingang zu dem Haus vollständig frei und studierten staunend, was sich vor ihnen auftat. Nun berichtet das Team in den Magazinen "Science" und "National Geographic" über die Ergebnisse. Auf zwei Wänden des Gebäudes sind Hunderte von Zahlen und Symbolen eingeritzt. Dabei handelt es sich den Forscher zufolge um die ältesten bisher bekannten astronomischen Berechnungen der Maya. Überraschend sind auch Malereien an zwei weiteren Wänden des Raumes - bisher waren keine Wandbilder in Häusern der Maya gefunden worden.

"Wir sehen zum ersten Mal etwas, das die Aufzeichnungen eines Gelehrten sein könnten, der womöglich der offizielle Dokumentar einer Maya-Gemeinschaft war", sagt William Saturno. "Es sieht so aus, als seien die Wände wie Schultafeln benutzt worden."

Die Hochkultur der Maya beherrschte in ihrer Blütezeit von 250 bis 900 nach Christus den Süden und Osten des heutigen Mexikos und weite Teile von Belize, Guatemala und Honduras. Ab 600 bauten die Maya auf der Halbinsel Yucatán große Städte. Dort lebten jeweils mehr als 10 000 Menschen - so wohl auch in Xultun. Einige dieser Städte waren größer als jede Stadt Mitteleuropas zu der Zeit.

Von einer Hochkultur sprechen Forscher angesichts der Errungenschaften dieser Stadtstaaten, etwa ihrer Landwirtschaft: Für den Anbau von Mais speicherten die Maya Regenwasser in eigens angelegten Zisternen, oder sie schöpften Grundwasser aus eingestürzten Karsthöhlen und leiteten es über ein aufwendiges Bewässerungssystem auf ihre Felder. Zudem waren sie Meister der Mathematik. Und sie beobachteten die Sterne. Ihre Berechnungen dienten ihnen als Grundlage für verschiedene Kalender. Der bekannteste ist der Haab, mit dem die Maya wohl die besten Zeiten für Saat und Ernte ermittelten. Ein Sonnenjahr umfasste in dem Kalender 365 Tage wie bei uns, allerdings unterteilt in 18 Monate mit je 20 Tagen und fünf zusätzlichen Tagen. Es sind nur vier Handschriften erhalten, in denen die Maya Informationen über ihr Leben, über Mathematik und Astronomie festhielten, illustriert mit Zeichnungen. Forscher haben diese Quellen auf die Zeit zwischen 1200 und 1500 nach Christus datiert. Die Zeichen, die William Saturno und sein Team in dem versunkenen Haus von Xultun vorfanden, stammen hingegen aus dem frühen neunten Jahrhundert.

 

xultun-2

Vier Zahlenreihen (senkrecht nebeneinander) stellen Rechnungen dar, die 7000 Jahre in die Zukunft reichen
Foto: Illustration by William Saturno

 

Bemerkenswert sind vor allem vier lange Nummern, die in die Nordwand des Gebäudes eingeritzt sind. Diese stehen Saturno zufolge für etwa 330 000 bis 2,5 Millionen Tage und bringen wahrscheinlich alle astronomischen Zyklen zusammen, welche die Maya für wichtig hielten, etwa die des Mars, der Venus und die Zyklen der Mondfinsternisse. Die Daten der Zyklen reichen rund 7000 Jahre in die Zukunft. Saturno zufolge ist dies der erste Ort, der scheinbar all diese Zyklen auf diese Weise zeigt. Auch in die Ostwand des Hauses sind astronomische Berechnungen eingeritzt. Einige dokumentieren die Mondphasen; andere gleichen die Mondphasen mit einem Sonnenkalender ab. "Himmelsbeobachtungen wie diese dienten dazu, Sonnenfinsternisse vorherzusagen", sagt Saturno. "Am erstaunlichsten ist, dass die Maya solche Berechnungen offenbar Hunderte von Jahren durchführten und dies an anderen Stellen dokumentierten als in Büchern, bevor sie mit Aufzeichnungen in den Codices begannen", sagt Anthony Aveni, Co-Autor der Studie und Professor für Astronomie und Anthropologie an der Colgate University (US-Bundesstaat New York).

Verblüffend finden die Forscher auch die Malereien in dem Haus, insbesondere jene an der Nordwand. Prominent ist das Bild eines sitzenden Königs, der blaue Federn trägt. Daneben: das Bild eines stehenden Mannes, der einen Stift in der Hand hält. Sein Körper wird in leuchtendem Orange dargestellt. Er könnte der Sohn oder jüngere Bruder des Königs gewesen sein und womöglich der Dokumentar, der in dem Haus lebte, spekuliert William Saturno. Nahe dem Gesicht des mutmaßlichen Schreibers ist ein Schriftzug eingeritzt, der "Jüngerer Bruder Obsidian" bedeutet. Obsidian ist ein vulkanisches Gestein, aus dem die Maya Messer und Dolche fertigten. An der Westwand des Hauses: Darstellungen von drei sitzenden Männern, die Lendenschürze, Medaillons und identische Kopfbedeckungen mit jeweils einer Feder tragen. "Solche uniformen Kopfbedeckungen haben wir noch nirgendwo gesehen", sagt Saturno.

Es dürfte nicht die letzte Überraschung sein. Womöglich liegen noch Hunderte Gebäude in der Erde des Regenwalds begraben - und mit ihnen Hinweise, die das größte Rätsel lösen könnten, dass Maya-Forscher umtreibt: warum und wie die Maya-Hochkultur um 1500 nach Christus unterging.

 


 

weitere Bilder:

SPIEGEL ONLINE, 10. Mai 2012:

xultun-4

 

xultun-3

 

xultun-2a

 

 


 

3 Umzeichnungen, die einen Eindruck geben, wie die Wandgemälde eist ausgesehen haben

 

xultun 5

Quelle: www.livescience.com

 

xultun 6

Quelle: www.washingtonpost.com

 

xultun 7

Quelle: www.lestweforget.info

Kostenlose Joomla Templates von funky-visions.de
Zurück zur Startseite Menü anzeigen